Künstlerischer Background: Fotografie und Net'Art

boisset.de ©Stéphanie Boisset

Lebenslauf

Nach dem Abitur absolvierte ich eine Ausbildung zur Fotografin. Dieser erste Schritt in Richtung visuelle Kommunikation wurde mit meinem Studium der zeitgenössischen Kunst an der Universität Paris VIII, wo ich den Bereich neue Medien wählte, fortgesetzt. Hier lagen die Schwerpunkte in der Arbeit und Auseinandersetzung mit dem Internet als künstlerisches Medium (Net’Art).

Die künstlerische Plattform „boisset.de, eine Identität im Werden” ist als Beginn meiner Erfahrung mit dem Medium zu betrachten, sowohl was meine Fragestellung über Identität betrifft, als auch die Möglichkeiten von HTML / Javascript im Bereich fiktionaler, „epistolärer“ und bildlicher Inszenierung auszuprobieren.

Net.Art und Identität

Buch Net.Art et Identité von Fred Forest

Die lange Geschichte der Kunst hat nie aufgehört, die Fragen der „Repräsentation” und der „Identität” zu beschäftigen [...] Die unwiderstehliche Inflation der Repräsentation des „Ichs”, die im Netz eindringt, sei es im MySpace oder auf Facebook, ist auch für das Werk einiger Künstlerinnen und Künstler wie Stéphanie Boisset, einer Netzkünstlerin, zentral.
Sie selbst verrät auf ihrer Website, die eine Variante eines Tagebuchs ist: „Die ‚künstlerische Plattform’ boisset.de, eine Identität im Werden, hinterfragt meine eigene Identität, die ich hier als ‚Objekt-Material’ betrachte. Der Begriff der Identität bezieht sich sowohl auf die Person, die mit der Figur verschmilzt, als auch auf den Ort selbst, als Vertreter der dargestellten Person”.
[...] Die Tatsache, daß im Internet heute jeder Nutzer eine wirkliche „digitale Identität” besitzt und verwalten muss, die sich aus seinen verschiedenen Beiträgen und den Spuren zusammensetzt, die er freiwillig oder nicht freiwillig auf den besuchten Websites hinterlässt, führt zu der Frage der Informationssicherheit und insbesondere der Bewahrung der persönlichen Daten und der Privatsphäre vor ihrer Veruntreuung oder widerrechtlichen Aneignung.

Auszug übersetzt vom Kapitel „Net.Art et Identité”, in Fred Forest, Art et Internet. Imaginaire : Mode d’emploi, pp. 54-57. Editions Cercle d’Art, Paris 2008.

Doppelseite aus Net.Art et Identité von Fred Forest, Kunstprojekt: And she never came back - Stéphanie Boisset

„And she never came back” wurde im Rahmen der Gruppenausstellung „Virtual Identities” in der Galerie Tristesse (kuratiert von Julia Barth, Ela Kagel, Stéphanie Boisset), Berlin 2005, präsentiert.
Das Projekt sollte als ein Fragment der künstlerischen Plattform „boisset.de” betrachtet werden und setzt sich in der Kontinuität der online Fiktionen: E-mails, Bilder und Erinnerungen fort. Geschriebene und erneut gelesene Texte, gespielte, wiedergespielte und „nochmal” fotografierte Situationen wurden vermischt, damit eine endlose Animation entsteht.

Websites in intramuros International Design Magazin zitiert

Magazin intramuros, Martine Camillieri

intramuros n°132, „http”, Martine Camillieri, p. 119

Martine Camillieri

Man klickt sich gerne durch Martine Camillieris Website, einer Künstlerin kurzlebiger und poetischer Werke, die sie aus Plastikverpackungen oder abgehalfterten Haushaltsgeräten erzeugt. Die rotfarbigen Menüpunkte, die adretten Fotos, die von Texten begleitet werden, ziehen sich über die ganze Seite, wo jedes Wort für sich spricht: „den Alltag veredeln”, „das Nomadenleben der Zweckmäßigkeit”. Daher wirkt die Seite (Design Stéphanie Boisset), welche die tägliche Praxis des Umweltschutzes in kleinem und spielerischem Rahmen predigt, so, als sei sie per Hand gefertigt und das Gegenstück zur Fabrikware.

Magazin intramuros, Olivier Badie

intramuros n°128, „http”, Olivier Badie, p. 111

Olivier Badie

Olivier Badie fotografiert den Alltag und konstruiert diesen neu, indem er sowohl dessen Kontinuität (Röhren-Serie) als auch dessen Brüche hervorhebt, die er durch diskrete, digitale Bildmanipulationen enstehen lässt. Durch enorme Reaktivität ist es der von Stéphanie Boisset konzipierten Website gelungen, die Magie dieser Verwandlungen darzustellen, die jede Architektur so leicht (indem die Trägerstruktur geschliffen wird) und jedes urbane Mobiliar luftartig (indem die Basis beseitigt wird) machen. Dies geschieht unter anderem dadurch, daß die Website alle überflüssigen Elementen wegradiert hat.

Magazin intramuros, Frédérique Daubal

intramuros n°126, „http”, Frédérique Daubal, p. 127

Frédérique Daubal

Diese Seite aus Dropdown-Menüs, daubal.com, wurde für die Modedesignerin Frédérique Daubal von Stéphanie Boisset designed. Sie ist reich an Projekten und Inszenierungen, die gleichermaßen entzücken. Für diese Mode, die aus Collagen und Recycling entsteht und munter Stilrichtungen und Größen vermischt, macht die Website, auf völlig sachliche Weise, die eindeutige Vorliebe für lange, waagerechte Dropdown-Menues sichtbar. Der Internetbesucher ertappt sich dabei, wie er nach dem geringsten, interaktiven „Blabla” in den Ecken sucht.